Bericht, EPRIE

EPRIE 2015: Nations and Identities

EPRIE 2015

Das EPRIE-Austausch-Programm fand vom 17. bis 27. Juli 2015 in Tokyo und Seoul statt und richtete sich an zwanzig junge Menschen aus Europa (Deutschland, Frankreich, Polen) und Ostasien (China, Japan, Südkorea) im Alter von 25 bis 35 Jahren.

Orientierungsprogramm vom 17.-20.07.2015 in Tokyo

Es begann in einem traditionellen Hotel in Tokyo mit einem interkulturellen Training, das darauf abzielte, die Teilnehmer in ihren vielfältigen Rollen jenseits ihrer Nationalitäten vorzustellen und miteinander vertraut zu machen. Der Vortrag „Personal Identity – National Identity“ von Tobias Söldner, der auf nationale Stereotypisierungen Bezug nahm, stellte eine gelungene Überleitung zum stärker theoretisch orientierten Teil der Veranstaltung dar.

Seminar vom 20.-24.07.2015 in Tokyo (Harumi Grand Hotel)

Mit ihrem Vortrag zu den Herausforderungen und den neuen Initiativen der regionalen Kooperation in Nordost-Asien führte die Seminarleiterin, Dr. Gudrun Wacker von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), in das Seminar ein. Frau Professor Haba Kumiko von der Aoyama Gakuin Universität betonte den wirtschaftlichen Aspekt der Integration in beiden Regionen. Im Vergleich zu Europa handle es sich in Ostasien aber um eine „Donutisierung“, was bedeutet, dass die regionale Kooperation hier zwar sehr stark von der Wirtschaft getrieben, aber nicht von geteilten Werten begleitet sei – also innen leer wäre. Während Prof. Oguma Eiji von der Keio Universität seinen Fokus auf die Analyse des Nationalismus im modernen Japan gelegt hat, untersuchte Prof. Takenaka Chiharu von der Rikkyo Universität wie Veränderungen durch die Globalisierung im postkolonialen Indien rezipiert und umgesetzt wurden und sich das Land damit an die neuen Herausforderungen angepasst hat.

Professor Lim Jie-Hyun von der Sogang Universität hat in seinem interessanten Vortrag zu „Victimhood Nationalism and History Reconciliation“ die Bedeutung von Opferrollen für die nationale Erinnerung untersucht. Er hat er die Hypothese aufgestellt, dass sobald es zu einer Dichotomie zwischen Tätern und Opfern auf staatlicher Ebene kommt, die Opferrolle quasi weitervererbt und die nationale Solidarität über Generationen hinweg aufrechterhalten wird. Seiner Meinung nach lässt sich die Geschichte nur richtig erschließen, wenn sie verschränkend auf einer transnationalen Ebene betrachtet wird. Diese Reflektion sei auch eine entscheidende Voraussetzung für Versöhnungsprozesse. In seinem Vergleich zwischen Japan und Korea führte er die deutsch-polnischen und die deutsch-israelischen Beziehungen als Beispiele an und plädierte für eine transnationale Betrachtungsweise der Geschichte.

Das Seminar war von einem Besuch bei Peaceboat begleitet, einer NGO, die sich seit 1983 für bessere Beziehungen in der ostasiatischen Region einsetzt. Auf ihrem Schiff, mit dem sie in unterschiedlichen Ländern anlegen, führen sie regelmäßig internationale Programme durch, die das gegenseitige Vertrauen zwischen Japan und seinen Nachbarn fördern und zu einem besseren gegenseitigen Verständnis in der Zivilgesellschaft führen sollen.

Die Abende wurden mit gemeinsamen Aktivitäten gestaltet: Im Sky-room des Hotels organisierten die Teilnehmer eine Party und schauten sich zusammen den Film „Letters of Iwojima“ von Steven Spielberg an. Darüber hinaus stellte der taiwanesische Künstler Chen Chin Yao seine Videoperformance „International Radio Exercise“ vor. Kulturelles Highlight war der Besuch im Tokyo Oedo Onsen Monogatari.

Podiumsdiskussion in der polnischen Botschaft am 24.07.2015

Den inhaltlichen Höhepunkt des Programms in Tokyo bildete die Podiumsdiskussion zum Thema Regional Identity in the Age of Globalization, zu der die Polnische Botschaft eingeladen hatte und bei der die Teilnehmer ihre bisherigen Ergebnisse vorstellen konnten. Die beiden Botschafter aus Polen und Deutschland, Cyryl Kozaczeweski und Dr. Hans Carl von Werthern, äußerten sich sehr unterschiedlich auf die Frage, ob es eine europäische Identität gibt. Während der polnische Botschafter die gemeinsamen Werte betonte, hob der deutsche Botschafter eher die Unterschiede hervor. Der anschließende Empfang wurde
auch von der koreanischen Botschaft gefördert.

Seminar mit Alumni-Workshop vom (22.)24.-27.07.2015 in Seoul

Bereits parallel zum Seminar in Tokyo hat die Tagung von rund 20 ehemaligen EPRIE Teilnehmern in Seoul begonnen. Von Professor Yu Chung-Wan, President des Humanitas Kollegs, wurden sie in den Räumen der Kyung Hee Universität begrüßt. Den Berichten aus den bisherigen EPRIE-Jahrgängen und der Vorstellung von Forschungsprojekten folgten Gespräche über die weitere Koordination in der jeweiligen Region bzw. in jedem Land und die Nutzung von Netzwerken, um in Kontakt zu bleiben.

Gemeinsam mit den neuen Teilnehmern wurde am nächsten Tag das Seminar mit Professor Moon Chung-In, dem Leiter der East Asia Foundation, in der Kim-Dae-Jung-Bibliothek auf dem Yonsei-Campus zum Thema Versöhnung in Ostasien und Europa fortgesetzt.

Am Nachmittag bot sich für Alumni die Gelegenheit, ihre Forschungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren. Nach umfangreichen Diskussionen wurden alle Teilnehmer am Abend von Gong Ro-Myeong, dem Präsidenten der East Asia Foundation und ehemaligem Außenminister (1994-96) zum Ausklang des Abend zum Essen eingeladen.

Die im letzten Jahr in Europa begonnene Serie zu „Nations and Memorials, in der unterschiedliche Erinnerungskulturen gezeigt und diskutiert wurden, konnte in diesem Jahr in Ostasien fortgesetzt werden. So besuchten wir in Tokyo das Women‘s Active Museum on War and Peace, das sich dem „Trostfrauen“-System des japanischen Militärs widmet, welches von Watanabe Mina erläutert wurde. Diskutiert wurden vor allem die stetigen Anfechtungen der Aussagen von Zeitzeugen und die Banalisierung der Gewalt gegen Frauen im Krieg. Daran schloss sich ein Besuch des Yûshukan-Museums im Yasukuni-Schrein an, in dem Kriegsopfer verherrlicht werden. Die unterschiedlichen Darstellungsweisen wurden mit Dr. Nishiya ausgiebig diskutiert.

In Seoul besuchte die Gruppe zusammen mit Herrn Park Han-Yong vom Center for Justice and Truth das National Museum of Contemporary History, das den Blick auf den Aufstieg Koreas zur Wirtschaftsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg richtete, sowie die Ausstellung „50 Jahre gegenseitige Beziehungen zwischen Japan und Korea“. Die einseitige Darstellung Japans als ständigen Aggressor in der Geschichte machte deutlich, dass weiterer Austausch und Reflektion dringend notwendig sind, um tatsächlich zu einer Vertrauensbildung beitragen zu können.

EPRIE 2015 wurde organisiert vom Korea Verband e.V. in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und dem Japan Büro der Friedrich Ebert Stiftung. Desweiteren wurde das Alumni-Seminar gefördert von Kim Dae-Jung Presidential Library and Museum, der East Asia Foundation, des Humanitas Kollegs der Kyung-Hee Universität und durch das Center for Justice and Truth.

Diesen Bericht können Sie auch als PDF herunterladen. Weitere Informationen zu dem Programm erhalten Sie auch auf der EPRIE-Webseite.