„Trostfrauen“

Die AG „Trostfrauen“ im Korea-Verband wurde im November 2009 auf Initiative von Nataly Jung-Hwa Han gegründet. Die Arbeitsgruppe leistet Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit und führt politische Kampagnen mit dem Ziel durch, die Problematik der „Trostfrauen“ in Deutschland bekannt zu machen. Die Mitglieder der AG kommen aus China, Deutschland, Japan, Korea, Taiwan, den USA und anderen Ländern.

Vom 07.-14. Dezember 2011 fand die Aktionswoche für „Trostfrauen“ in Deutschland statt. Weitere Informationen hierzu erfahren Sie auf unserer Unterseite.

Das „Trostfrauen“-System und die Geschichte der Betroffenen bis 1945

Die sogenannten „Trostfrauen“

Das japanische Militär und seine Helfer verschleppten während des Asien-Pazifik-Krieges (1937-1945) mindestens 200.000 Mädchen und junge Frauen im Alter von 11 bis 29 Jahren. Die Opfer wurden systematisch und perfide aus ehemaligen Kolonien Japans wie Korea und Taiwan, sowie aus elf besetzten Ländern „zwangsrekrutiert“. Betroffen waren Frauen aus folgenden, heute existierenden Ländern: Burma, China, Ost-Timor, Indonesien, Japan, Malaysia, die Niederlande, Nordkorea, Papua Neuguinea, Philippinen, Südkorea, Taiwan und Thailand.

Dignity and JusticeSie zwangen sie zur Prostitution für die Soldaten und nannten sie „Trostfrauen (jap. ianfu)“. Die Frauen sollten den Soldaten auf den Kriegsschauplätzen „Trost“ spenden, wurden im krassen Gegensatz zum eher beschönigenden Begriff der „Trostfrau“ wie Sklavinnen auf brutalste und menschenunwürdige Art und Weise sexuell mißbraucht und in den Bordellen („Trosthäuser“) des japanischen Militärs eingesperrt. Größtenteils wurden sie durch die Misshandlungen unfruchtbar gemacht, was Auswirkungen auf ihr gesamtes, späteres Leben hatte.

Nach der Kapitulation 1945 ließ das japanische Militär die „Trostfrauen“ in der Fremde zurück. Nur wenige von ihnen schafften die Rückkehr in ihre Heimat. Aus Scham und Schuldgefühlen und aufgrund der Angst vor gesellschaftlicher Ächtung konnten sie niemandem ihr Leid anvertrauen. Das kollektive Schweigen und die absolute Verdrängung fanden nicht nur in Japan, sondern auch in den Opferstaaten statt.

Bruch mit dem kollektiven Schweigen

Fast ein halbes Jahrhundert später, am 14. 08. 1991, legte Frau KIM Hak-Soon als erste mutige Überlebende im Fernsehen eine Zeugenaussage ab, da die japanische Regierung die Taten zunächst bestritt. Nach diesem Bruch mit dem Schweigen traten über 500 weitere Frauen aus 13 Ländern öffentlich auf und forderten von Japan eine offizielle Entschuldigung und Entschädigung. So wurde die “Trostfrauen-Bewegung” auf internationaler Ebene entfacht, an der sich schließlich auch Organisationen wie die UNO-Menschenrechtskommission, Amnesty International, ILO etc. beteiligten.

Als unwiderlegbare Dokumente im Archiv des japanischen Verteidigungsministeriums gefunden wurden, gestand zwar 1992 der japanische Generalsekretär Kono das Kriegsverbrechen ein, jedoch wurde es von nachfolgenden Premierministern immer wieder abgestritten. Bis heute erfolgten deshalb weder eine aufrichtige Entschuldigung noch eine offizielle Entschädigung der Opfer im Namen der japanischen Regierung. Die fehlende Aufarbeitung der Vergangenheit stellt ein großes Hindernis für Kooperation und Frieden in dieser Region dar. Viele der betroffenen Zeitzeuginnen sind inzwischen bereits verstorben; in Südkorea etwa ist die Zahl der noch lebenden registrierten Frauen von ursprünglich 234 mittlerweile stark geschrumpft. Die Zeit drängt also, um in diesem Fall systematischer sexueller Gewalt noch eine Rehabilitation der Überlebenden zu erzielen.

Das System der „Trostfrauen“

Auch vor dem Krieg gab es vereinzelte Trosthäuser des japanischen Militärs, die flächendeckende und systematische Verbreitung jedoch fiel zeitlich mit der massiven Ausweitung der Kriegsmaßnahmen infolge des Nanjing-Massakers 1937 zusammen. Offizielle Gründe für die Einrichtung der Troststationen waren:

  1. Steigerung des Kampfgeistes der Soldaten
  2. Verhinderung von Massenvergewaltigungen an Kriegsorten (wie in Nanjing geschehen)
  3. Vermindern von Geschlechtskrankheiten

Nachdem zunächst Prostituierte offiziell angeworben wurden, ließ sich der steigende „Bedarf“ infolge der sich verbreiternden Frontlinien nicht mehr decken und führte zur Zwangsrekrutierung junger Mädchen und Frauen teils durch falsche Versprechungen gut bezahlter Arbeitsplätze, was vor allem arme Mädchen anlockte, teils auch durch Entführungen.

Die Trosthäuser wurden in den Kriegsgebieten eingerichtet, zogen zum Teil mit den Armeen von Schlacht zu Schlacht, was die „Trostfrauen“ neben den Qualen der sexuellen Misshandlungen zusätzlich auch noch der Gefahr des Krieges aussetzte.

Verhütung durch Kondome sind einigen Quellen zufolge als für die Soldaten verpflichtend beschrieben, viele Opfer berichten jedoch, dass so etwas nicht benutzt wurde. Bei Schwangerschaft wurde meist eine Zwangsabtreibung durchgeführt, bei Geburten wurden die Kinder weggegeben, manche Schwangere wurden getötet. Auch Krankheit, Schwangerschaft oder Regelblutung entließen die Frauen nicht aus ihrer Pflicht.

Die Gesamtanzahl der Männer, denen die Frauen pro Tag zu Diensten sein mussten, schwankt je nach Darstellung erheblich und übersteigt einigen Schilderungen zufolge die 50 deutlich. 20-30 Freier pro Tag ist eine häufig zu findende Angabe, wobei die Struktur eines Tages sich klar aufgliederte: Tagsüber kamen die einfachen Soldaten, nachts hatten die „Trostfrauen“ den Offizieren zu Diensten zu sein.

Die Wege der Rekrutierung von Frauen

Mit der Ausweitung der Kampfhandlungen Ende der 1930er Jahre wuchs auch der Bedarf nach „Trostfrauen“, anhand der Opferbiographien lässt sich ein quantitativer Zusammenhang mit den

  • Die sogenannten „Freiwilligen-Truppen“ (koreanisch: Jungshindae) in Korea
  • Anlocken durch das Versprechen von Arbeitsplätzen
  • Betroffen waren Frauen aus insgesamt 13 Ländern: Burma, China, East Timor, Indonesien, Japan, Malaysia, die Niederlanden, Nordkorea, Papua Neuguinea, Philippinen, Südkorea, Taiwan und Thailand

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