Spionagevorwurf gegen Song Du-Yul in Südkorea

Bericht zum 6. Verhandlungstag im Prozess von Prof. Song (27.01.04)

Bericht zur Verhandlung im Prozess von Prof. Song Du Yul am 27.1.2004
In der 24. Strafkammer des Seouler Landesgerichts

Um 14 Uhr wird Prof. Gwon Man Hak (Kyonghee Universität) als Zeuge vereidigt. Er ist Politikwissenschaftler, hat 1995 im Wiedervereinigungsministerium und dann als Präsidentenberater gearbeitet.

Es geht um die Symposien zwischen Nord- und Südkoreanischen Wissenschaftlern.
Verteidiger: Haben sie davon gehört, dass diese Symposien durch Herrn Kil Sueng Huem angeregt wurden?
Der Zeuge bejaht die Frage und erklärt dann, dass z.Z. des ersten Symposiums, zwischen beiden Staaten ein sehr sensibles Klima herrschte. Es war darum wichtig, dass dieses Symposium nach außen hin möglichst neutral wirken sollte. Das Symposium der Wissenschaftler zur Frage der Wiedervereinigung war nicht politisch, sondern wissenschaftlich orientiert. Der Kreis der Initiatoren dieses Symposiums bat Prof. Song die Rolle eines Vermittlers zwischen Süd- und Nordkoreanern zu übernehmen. Damals waren die Nordkoreaner sehr zurückhaltend und zögerten ihre Teilnahme an einem derartigen Symposium zuzusagen. Dieses Symposium lag eindeutig im Interesse der südkoreanischen Wissenschaftler, war von ihnen gewollt und organisiert. Offensichtlich hat dann das Interesse der nordkoreanischen Wissenschaftler die Meinung der südkoreanischen Kollegen zu Fragen von gegenseitigem Interesse zu erfahren, dazu geführt, dass sie ihre Teilnahme zusagten. In den Jahren 1996/97 gab es kaum offizielle Kontakte zwischen den beiden Staaten. Es wurde aber als wichtig angesehen einen Gesprächskanal zum Norden offen zu halten. Vor den Symposien gab es Vortreffen, bei denen Themen von besonderer Brisanz aussondiert wurden. Das geschah auf Vorschlag eines südkoreanischen Wissenschaftlers, man war ernsthaft an einem Gespräch miteinander und nicht an „Grabenkämpfen“ gegeneinander interessiert. Die Vortreffen sollten beiden Seiten Klarheit darüber geben, welche Themen angesprochen werden bzw. sollten beide Seiten auf diese Weise ihre Themenvorschläge einbringen können.
Die Teilnehmer aus der DPRK waren alles Südkorea und USA Experten. Entsprechend behandelte ein Themenwunsch der Nordkoreaner die Frage eines Vertrages zwischen der DPRK und den USA im Blick auf die Nuklearfrage.
Ein Nordkoreaner, Kim Kyong Nam, hatte sich bei dem ersten Symposium sehr durch seinen starken Propagandastil hervorgetan. Der Protest der Südkoreaner verhinderte seine Teilnahme an dem folgenden Symposium. Er war dann wieder beim 3. Symposium in der Delegation der DPRK vertreten. Das wertet der Zeuge als Zeichen dafür, dass Kim Kyong Nam offensichtlich eine Person ist, die Macht und Einfluss in der DPRK besitzt.
Auch einem anderen Nordkoreaner, Park Young Su, haben die Südkoreaner die Teilnahme verweigert. Park galt als Hardliner, der stark gegen den Süden arbeitete. Dazu kam, dass Herr Park sozusagen von der DPRK zur Teilnahme an diesem Symposium beordert wurde und nicht vom Kreis der Wissenschaftler eingeladen worden war. Die Südkoreaner kamen später zu der Auffassung, dass es eine gute Geste wäre und dem Gesprächsklima dienlich sein könnte, Herrn Park zum nächsten Symposium einzuladen. Es ging bei diesen Treffen ja um die Frage der Annäherung. Nach seiner Teilnahme hat Herr Park dann eine deutlich versöhnliche Botschaft veröffentlicht. Vom 2. oder 3. Symposium an haben die südkoreanischen Wissenschaftler dann immer Vertreter des Wiedervereinigungsministeriums zu diesen Symposien eingeladen.

Verteidiger: Haben sie je davon gehört, dass der Angeklagte mit diesen bzw. auf diesen Symposien für die DPRK gearbeitet hat?
Zeuge: Nein.
Verteidiger: Wurden Protokolle der Symposien beim Wiedervereinigungsministerium eingereicht?
Zeuge: Ja.

Prof. Gwon Man Hak betont dann noch einmal, dass es das vorrangige Ziel dieser Symposien war, die Beziehungen zwischen beiden Staaten zu verbessern. Das sei ja auch im Interesse der ROK gewesen, die immerhin drei Symposien finanziell unterstützt hat. Außerdem wäre auch über die Medien ausführlich über diesen Schritt der Annäherung berichtet worden, was im damaligen politisch eisigen Klima wichtige war.

Verteidiger: Wer war für die Finanzierung der Symposien verantwortlich?
Zeuge: Prof. Baek Yung Chul ...

Prof. Gwon Man Hak erzählt, dass die Südkoreaner bereits auf dem 3. und 4. Symposium vorschlugen diese Treffen nicht länger im Ausland, sondern in Nord- und Südkorea auszurichten. Dass das 6. Symposium dann in Pyongyang stattfand darf als Ergebnis dieses Vorschlages gesehen werden und muss vor allem als Ergebnis der Atmosphäre dieser Treffen gewürdigt werden.
Verteidiger: War der Angeklagte aktiv an der Erstellung der Teilnehmerliste und der Themenfindung beteiligt?
Zeuge: Prof. Songs Aufgabe war die Vermittlung zwischen den Vertretern der DPRK und der ROK. Dabei hatte ich persönlich das Gefühl, dass Prof. Songs Herz eher auf der Seite der Südkoreaner schlug. Er hat sich sehr bemüht und eine große Rolle dabei gespielt, dass sich süd- und nordkoreanische Wissenschaftler soweit annähern und miteinander diskutieren konnten. Am Ende der Symposien haben die meisten Südkoreaner die Nordkoreaner um Fortsetzung der Symposien gebeten.
Der Zeuge vermutet, dass die nordkoreanischen Wissenschaftler auf Grund der Abschottung der DPRK Interesse an Informationen über die Situation in der Welt und in Südkorea hatten und dass sie diesen Informationsgewinn durch die Gespräche mit ihren südkoreanischen Kollegen erwerben konnten. Er erzählt dazu eine Episode. Am Ende eines Symposiums gab es eine gemeinsame Schlusserklärung. Während der Nordkoreaner Park Young Cheol eine Streichung nach der anderen durchsetze, fragte er dann am Ende, ob man ihm den Originaltext geben könnte. Vermutlich sah man in dem ungekürzten Original eine gute Quelle, aus der man Rückschlüsse auf die Weltpolitik und die Denkweise der Gegenseite schließen konnte.
Die durch die Symposien gewonnenen Informationen haben großen Einfluss auf die Politik der DPRK gehabt, so der Zeuge. Umgekehrt erfuhren die Südkoreaner wenig von ihren nordkoreanischen Gesprächspartnern, das über den Erkenntnisstands hinausging, den man bereits aus anderen Quellen gewonnen hatte. Der Zeuge unterstreicht noch einmal, dass die Symposien großen Einfluss auf den Prozess der Versöhnung beider Staaten hatten. Er versucht das mit noch einer Episode zu illustrieren, aber der Richter meint, dass er in Anbetracht der Zeit darauf verzichten soll.

Verteidiger: Wissen sie welchen Rang Hwang Jang Yeop innehatte?
Zeuge: Er könnte schätzungsweise auf Rang 27 gewesen sein.
Verteidiger: Ist es denkbar, dass der Angeklagte auf dem 23. Rang stehen könnte?
Zeuge: Prof. Ahn Kyung Hoo von der Kim Il Sun Universität rangiert zwischen Platz 50 und 100. Bei den Symposien haben ihm die Nordkoreaner sehr viel Respekt erwiesen. Prof. Song Du Yul ist nicht annähernd soviel Respekt entgegengebracht worden.

Die Staatsanwaltschaft erkundigt sich zu den Vortreffen der Symposien, an denen immer 3 Personen von jeder Seite teilnahmen. „Welche Rolle hat der Angeklagte dabei gespielt?“
Zeuge: Prof. Song hat im Wesentlichen Kompromissvorschläge gemacht und zwischen beiden Seiten vermittelt.
Die Staatsanwaltschaft verweist darauf, dass beim 6. Symposium ein Südkoreaner sein Referat nicht halten konnte und fragt nach dem Thema.
Der Zeuge antwortet, dass es dabei um die Fragestellung „Globalisierung und Selbstbewusstsein“ ging und dass noch andere Referate nicht oder sofern der Referent das akzeptierte, nur in gekürzter Form gehalten werden konnten.
Die Staatsanwaltschaft fragt, ob der Zeuge Unterschiede im Respekterweis zwischen Prof. Song und Hwang Jang Yeop vor und nach dessen Flucht aus der DPRK bemerkt hat.
Der Zeuge meint, er sei sich da nicht sicher, glaubt aber dass eher ein Respektverlust nach der Ankunft Herrn Hwangs in der ROK gegenüber Prof. Song zu bemerken ist.

Der Richter fragt den Zeugen, wo das Treffen der Vorbereitungsgruppe zum 2. Symposium stattfand. Der Zeuge erwidert, dass er das aufgrund der Vielzahl solcher Treffen nicht mehr erinnern kann. Der Richter will wissen, ob es mehrere Vorbereitungstreffen für die Symposien gab. Der Zeuge bejaht das für die Vorbereitung des 6. Symposiums. Der Richter möchte wissen, welche Rolle Prof. Song bei den Vorbereitungstreffen hatte. Der Zeuge beschreibt dessen Rolle so, dass Prof. Song die Aufgabe hatte die Vertreter der DPRK für die Symposien zu gewinnen.
Richter: Haben sie den Angeklagten mit dieser Aufgabe beauftragt?
Zeuge: Nein, es waren mehrere südkoreanische Wissenschaftler aus dem Kreis der Teilnehmer der Symposien, die Prof. Song darum baten.
Richter: Sie wussten dass der Angeklagte die DPRK besucht hatte?
Zeuge: Vor dem 1. Symposium nicht, da habe ich Prof. Song kennen gelernt und in diesem Zusammenhang habe ich von seinen Besuchen in der DPRK erfahren.
Prof. Gwon Man Hak erklärt dann noch seine Gründe heute hier als Zeuge auszusagen. Er sagt, er habe die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft und die Zeitungsberichte zum Fall Song gelesen. Dabei ist ihm aufgefallen wie wenig Beachtung diese Symposien fänden und wie wenig Wertschätzung deren Ergebnisse erfuhren. Das würde die Realität entstellen, denn diese Symposien hätten einen entscheidenden Beitrag im Prozess der Annäherung beider koreanischer Staaten geleistet. Sowohl die Staatsanwaltschaft, als auch die Zeitungen reden die Verdienste dieser Symposien klein. Dagegen möchte der Zeuge seine Stimme erheben. Die Staatsanwaltschaft behauptet, die DPRK benutzt die Symposien für deren Zwecke. Das ist nicht richtig und eine unmögliche Behauptung. Die südkoreanischen Wissenschaftler hätten sich sehr um diese Symposien und damit um die Annäherung beider Staaten bemüht, was ja durchaus im Interesse der ROK liegt. Die Behauptung der Staatsanwaltschaft, die DPRK hätte die Symposien gesteuert und benutzt, stellt im Grunde eine Verletzung des Nationalen Sicherheitsgesetzes dar. Das wird mit Gelächter auf den Zuschauerrängen quittiert, was der Richter natürlich sofort verbietet. Die Aussage von Prof. Gwon Man Hak endet um 15.25 Uhr.

Herr Park Sun Seong, Professor an der Dongguk Universität, wird als nächster in den Zeugenstand gerufen. Die Staatsanwaltschaft bittet um eine kurze Unterbrechung, da sie noch für die folgende Zeugenaussage Unterlagen kopieren müsste. Herr Park beginnt seine Aussage um 15.30 Uhr, indem er zu seinem beruflichen Werdegang berichtet und zu seinem Interesse als Wissenschaftler an der DPRK Auskunft gibt. Er ist Autor eines Buches, das den Titel „Wirtschaft und Wiedervereinigung in der DPRK“ trägt.

Verteidiger: Beschreiben sie uns bitte, was wir uns unter der immanent-kritischen Methode vorzustellen haben.
Zeuge: Bemerkt, dass das in der Kürze schwierig ist. Das Wichtigste jedoch wäre der Umstand eine Gesellschaft nicht vom Studiertisch her zu beschreiben, sondern sich der Realität auszusetzen und dabei konkrete Erfahrungen mit und in dieser Gesellschaft zu machen. Wenn man eine Gesellschaft wirklich verstehen will, muss man selbst in diese Gesellschaft gehen, darum ist diese Methode eben nicht auf historisch, vergangene Gesellschaften anwendbar.
Verteidiger: Was hat diese Methode für einen Hintergrund?
Zeuge: Selbsterfahrung ist entscheidend für das Verstehen. In Deutschland beispielsweise gab es wenig Informationen über die Verhältnisse in der DPRK. Mit den existierenden Methoden blieb das Verständnis der Situation in der DPRK ein sehr begrenztes. Die immanent-kritische Methode dient dem Verstehen der nordkoreanischen Gesellschaft und das mit objektiven und realistischen Kriterien. Dieser Ansatz ist sozusagen die natürliche Schlussfolgerung aus der Forschung zu den Verhältnissen in der DPRK. In Südkorea ist die immanent-kritische Methode seltsamerweise mit einer ideologischen und nicht mit einer wissenschaftlichen Herangehensweise kritisiert worden. Die immanent-kritische Methode kennt keine Vorurteile, sie hat einen neutralen Ansatz, im Unterschied zu vielen anderen Methoden, die auf Ideologien basieren.
Verteidiger: Die Staatsanwaltschaft behauptet, die immanent-kritische Methode ist nordkoreafreundlich angewendet worden.
Der Zeuge erklärt, dass die Staatsanwaltschaft keine korrekten Argumente anführt. Es sei ein Unterschied, ob jemand nordkoreanisches Material aus erster Hand zur Kenntnis nimmt oder über Zweit- und Drittquellen seine Erkenntnisse gewinnt. Bei Letzteren beobachtet man eher Fanatismus oder blindgläubiges Herangehen. Genau das kann mit der immanent-kritischen Methode vermieden werden. Man kritisiert Theologie mit theologischen Kriterien, Wirtschaft mit ökonomischen usw. Die immanent-kritische Methode wird selten adäquat kritisiert. Der Zeuge stellt Passagen aus einer Doktorarbeit vor, die im Dezember 2003 veröffentlicht wurde. In dieser Arbeit geht es um das Verständnis der Gesellschaft der DPRK. Darin wird die immanent-kritische Methode anerkannt und gewürdigt, ja ihr wird ein Platz in der gegenwärtigen wissenschaftlichen Forschung zuerkannt. Diese Methode ist eine Tür zum Verständnis der Situation in der DPRK, so der Autor. Die Staatsanwaltschaft behauptet Prof. Song hätte sich mit der „Juche“ Ideologie beschäftigt und sie gepriesen. Das ist nicht richtig. Um diese Ideologie zu verstehen, muss man sich natürlich mit ihr beschäftigen. Der Zeuge zitiert aus einem Artikel, in dem Prof. Song die „Juche“ Ideologie kritisiert. Sich mit der „Juche“ Ideologie auseinander zusetzen ist kein Beweis für Lobhudelei, sondern ein „Muss“ um die Situation in der DPRK verstehen zu können. Was z.Z. über Prof. Song zu hören ist, sind Vorurteile. Der Zeuge erklärt, nach der Lektüre von Artikeln von Prof. Song habe er den Eindruck, Prof. Song versucht beide Seiten gründlich darzustellen und auf die Einseitigkeiten in beiden Systemen hinzuweisen.

Verteidiger: Die Staatsanwaltschaft behauptet, wenn der Angeklagte Zustände in der ROK kritisiert, ist das gleichzeitig als Lob der Verhältnisse in der DPRK zu verstehen. Wie sehen sie das?
Zeuge: Verglichen mit anderen Kritikern, hat Prof. Song eher zurückhaltend die Gesellschaft in der ROK kritisiert. Kritik ist nötig, das ist u.a. eine Erfahrung aus der IMF Krise. Wir sehen nur die Erfolgsseite unserer Gesellschaft, vor dem Rest verschließen wir die Augen. Die Staatsanwaltschaft geht bei der Beurteilung von Prof. Song sehr selektiv vor. Eine Person aber muss umfassend gesehen werden. Der Zeuge verliest daraufhin eine Petition, die von 364 japanischen Intellektuellen unterzeichnet ist, die sich für die Freilassung Prof. Songs beim Richter verwenden. Er benennt dann Prof. Songs Kritikpunkte am System im Norden recht ausführlich. Dabei verweist er darauf, dass Prof. Song im Unterschied zur allgemeinen Auffassung in Südkorea dem System eine gewisse Langlebigkeit bescheinigt hat und das dieses Durchhaltevermögen sich dem Charisma verdankt, das das System trägt.
Der Zeuge weist darauf hin, dass wissenschaftliche Arbeit gewöhnlich bedrohlich auf die Machthabenden wirke, die Arbeit Prof. Songs bildet da keine Ausnahme. Der Gradmesser für die Demokratie ist u.a. darin zu erkennen, wie viel Freiheit der Wissenschaft und dem Gewissen des Einzelnen zugebilligt wird. Im Falle Prof. Songs wird diese Freiheit gerade verletzt. Prof. Song ist ein Pionier unter den Wissenschaftlern, was ihm jetzt widerfährt ist ein Resultat des Schwarz-Weiß-Denkens in Korea. Der Prozess von Prof. Song leistet einen Beitrag dazu, diesen unglücklichen Dualismus zu überwinden.

Verteidiger: Die Staatsanwaltschaft behauptet, dass der Angeklagte ein geheimes Mitglied der Arbeiterpartei der DPRK ist. Wie denken sie darüber?
Der Zeuge beschreibt, dass es ein Parteiaufnahmeverfahren gibt und man in die Partei gewählt wird. Das Ganze ist öffentlich und darum eine geheime Parteimitgliedschaft im Grunde nicht möglich. Er selber kennt keinen einzigen Beleg für die Möglichkeit einer geheimen Parteimitgliedschaft.

Staatsanwaltschaft: Es heißt, der Angeklagte äußert, wenn man die „Juche“ Ideologie untersucht, werden automatisch Widersprüche deutlich werden und diese „Selbst“-Ideologie hätte in sich selbst Grenzen. Können sie sagen, ob Prof. Song die „Juche“ Ideologie kritisiert und wo hat er diese Kritik geäußert?
Der Zeuge wiederholt, was er bereits diesbezüglich gesagt hat.
Staatsanwalt: Hat der Angeklagte diese Methode auch auf die ROK angewendet?
Zeuge: Ja, aber nicht so intensiv.
Staatsanwalt: Der Angeklagte hat über 20 Mal die DPRK besucht. Hat er je ein Buch über diese Besuche veröffentlicht?
Der Zeuge zitiert Passagen aus einem Buch Prof. Songs, in der er die Schwierigkeiten eines „Grenzgängers“ beschreibt.

Richter: Ist es möglich die immanent-kritische Methode auch in der Wirtschaft anzuwenden? Der Zeuge bejaht das und erklärt, er selbst würde diese Methode in seinem Bereich zusätzlich zu anderen Methoden anwenden.

Um 17 Uhr wird die Verhandlung unterbrochen, danach erfolgt die Befragung des Zeugen der Staatsanwaltschaft, wie bereits gewohnt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Frau Song und der Vertreter der deutschen Botschaft dürfen bei der Befragung im Gerichtssaal bleiben. Der Name des Zeugen ist Choi Chang Dong.

Jörg Baruth, Mitarbeiter des Evangelischen Missionswerkes in Südwestdeutschland in Korea

Seoul, den 29.1.2004