Presse, Trostfrauen

Presseschau zur japanisch-koreanischen Vereinbarung in der „Trostfrauen“-Frage, Dezember 2015

peace-statue-comfort-woman-statue-위안부-소녀상-평화의-소녀상-1

Am 28.12.2015 wurde die japanisch-koreanische Vereinbarung zur „Trostfrauen-Frage“ verabschiedet. Wir haben in diesem Beitrag verschiedene Pressemeldungen zusammengefasst und verweisen insbesondere auf die kritischen Stimmen in den Medien. Darunter befinden sich auch drei Interviews mit der Vorstandsvorsitzenden des Korea Verbands, Nataly Jung-Hwa Han. Ebenso haben wir den Wortlaut der getroffenen Vereinbarung ergänzt, den Prof. Dr. Reinhard Zöllner aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzt hat.

Deutschsprachige Pressemeldungen

Kritische Stimmen

Internationale Presse

Wortlaut der Vereinbarung

Die Vereinbarung wurde in zwei Erklärungen der jeweiligen  Außenminister Japans und Südkoreas getroffen und festgehalten. Prof. Dr. Reinhard Zöllner der Universität Bonn hat die Dokumente übersetzt und freundlicherweise auf seinem Blog zur Verfügung gestellt.

Erklärung des südkoreanischen Außenministers zur Trostfrauenfrage

Über die Trostfrauen-Frage zwischen Südkorea und Japan haben bislang u.a. die Büroleiter intensive Beratungen durchgeführt. Auf deren Ergebnissen fußend, gebe ich namens der südkoreanischen Regierung die folgende Erklärung ab.

(1) Die südkoreanische Regierung würdigt die Erklärung der japanischen Regierung und die Anstrengungen, die zur diesmaligen Erklärung geführt haben. Unter der Voraussetzung, daß die japanische Regierung die oben unter (2) erklärten Maßnahmen getreu umsetzt, stellt sie gemeinsam mit mit der japanischen Regierung fest, daß dieses Problem endgültig und unumkehrbar gelöst wird. Die südkoreanische Regierung unterstützt die japanische Regierung bei der Durchführung dieser Maßnahmen.

(2) Die südkoreanische Regierung nimmt zur Kenntnis, daß die japanische Regierung hinsichtlich der vor der japanischen Botschaft in Südkorea befindlichen Frauenstatue unter den Gesichtspunkten der öffentlichen Sicherheit und der Wahrung der Würde besorgt ist, und wird sich als südkoreanische Regierung bemühen, durch Beratungen mit den betroffenen Vereinigungen über mögliche Anpassungen eine angemessene Lösung zu finden.

(3) Die südkoreanische Regierung und die japanische Regierung verzichten, unter der Voraussetzung, daß die dieses Mal von Japan angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden, darauf, hernach in den Vereinten Nationen oder in der Völkergemeinschaft einander wegen dieses Problems zu tadeln oder zu kritisieren.

[Seoul, 28.12.2015 — Yun Byunse]

Aus dem Japanischen von Reinhard Zöllner.

Erklärung des japanischen Außenministers zur Trostfrauenfrage

Über die Trostfrauen-Frage zwischen Japan und Südkorea haben bislang u.a. die Büroleiter intensive Beratungen durchgeführt. Auf deren Ergebnissen fußend, gebe ich namens der japanischen Regierung die folgende Erklärung ab.

(1) Die Trostfrauen-Frage hat, unter Beteiligung der damaligen Armee, Ehre und Würde zahlreicher Frauen zutiefst verletzt. Unter diesem Gesichtspunkt fühlt sich die japanische Regierung schmerzlich verantwortlich.
Ministerpräsident Abe spricht als Ministerpräsident von Japan erneut allen Personen gegenüber, die als Trostfrauen viele Leiden und Schmerzen erfuhren und an Leib und Seele schwer heilbare Wunden davontrugen, von ganzem Herzen die Bitte um Entschuldigung und das Gefühl selbstkritischer Reue aus.

(2) Die japanische Regierung, die sich auch bisher dieses Problems ernsthaft angenommen hatte, ergreift jetzt auf der Grundlage dieser Erfahrungen aus dem Haushalt der japanischen Regierung Maßnahmen, welche die seelischen Wunden aller ehemaligen Trostfrauen heilen sollen. Konkret wird die südkoreanische Regierung eine Stiftung errichten, die den ehemaligen Trostfrauen Unterstützung leisten soll und für welche aus dem japanischen Regierungshaushalt einmalig Kapital aufgebracht wird; beide Regierung führen in Zusammenarbeit Projekte durch, um die Ehre und Würde der ehemaligen Trostfrauen wiederherzustellen und ihre seelischen Wunden zu heilen.

(3) Die japanische Regierung stellt zugleich mit der obigen Erklärung fest, daß unter der Voraussetzung der getreuen Umsetzung der oben unter (2) genannten Maßnahmen durch diese Erklärung dieses Problem endgültig und unumkehrbar gelöst wird.
Zudem verzichten die japanische Regierung und die südkoreanische Regierung darauf, hernach in den Vereinten Nationen oder in der Völkergemeinschaft einander wegen dieses Problems zu tadeln oder zu kritisieren.

[Seoul, 28.12.2015 — Kishida Fumio]

Aus dem Japanischen von Reinhard Zöllner.

Titelbild: Die japanische Regierung verlangt von der südkoreanischen Regierung, dass die Mädchenstatue für den Frieden vor der japanischen Botschaft geräumt wird. Dies birgt viele Konflikte mit der Zivilgesellschaft, Quelle: Flickr